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WAS IST DER ÖKOLOGISCHE FUßABDRUCK?

Der ökologische Fußabdruck ist ein Werkzeug, um unseren Naturverbrauch zu bilanzieren. Mit seiner Hilfe läßt sich der Naturverbrauch der Menschen messen. Die Energie- und Materialflüsse in einer Wirtschaftseinheit werden geschätzt und umgerechnet in Wasser- und Landflächen, die nötig sind, um diese Flüsse aufrechtzuerhalten. Das Werkzeug erlaubt es uns, wichtige Fragen zu beantworten: Wie groß ist unsere Abhängigkeit von globalen Ökosystemen? Wie stark belasten wir Ökosysteme, etwa wenn wir Rohstoffe aus anderen Regionen importieren oder unsere Abfälle entsorgen? Genügt die Produktivität der Natur, um auch im nächsten Jahrhundert die materiellen Bedürfnisse einer wachsenden Erdbevölkerung zu befriedigen? Wer braucht wieviel der globalen Produktivität der Biosphäre?

Um die Idee hinter dem ökologischen Fußabdruck aufzuzeigen, betrachten wir, wie die Gesellschaft das vielleicht am meisten gepriesene Symbol der menschlichen Zivilisation wahrnimmt: die Stadt. Wenn wir nach einer Definition der Stadt fragen, werden die meisten Leute auf die hohe Bevölkerungsdichte hinweisen und auf die menschengemachte Zusammenballung von Gebäuden und Straßen. Andere werden sagen, Städte seien rechtlich und politisch klar abgegrenzte Gebilde mit eigener Verwaltung. Andere wiederum sehen in der Stadt eine Konzentration von Kultur, von sozialen Institutionen und Bildungseinrichtungen, wie sie auf dem Land undenkbar wäre. Andere schließlich bestimmen die Stadt als den Knotenpunkt für einen intensiven Austausch von Waren und Informationen zwischen Individuen und Firmen: als die Stätte von Produktion und Wachstum.

Kein Zweifel, die Stadt ist eine der spektakulärsten Errungenschaften der menschlichen Zivilisation. Sie ist ein Kultur-, Wirtschafts-, Informations- und Kommunikationszentrum. Aber es fehlt ein fundamentaler Aspekt der Stadt in allen bekannten Sichtweisen. Wir haben diesen Aspekt zu lange für selbstverständlich gehalten. Deshalb ist er unserem Bewußtsein abhanden gekommen.

Mit einem Gedankenexperiment können wir diesen Aspekt wieder finden: Überlegen Sie sich, was geschehen würde, wenn eine moderne Stadt oder eine städtische Region wie London, Zürich oder das Ruhrgebiet mit einer Plexiglaskuppel abgedeckt würde, die nur Licht, aber kein Material durchläßt. Eine überdeckte Stadt und ihre Bewohner wären nicht lebensfähig. Sie wären von den meisten lebenswichtigen Material- und Energieströmen und Abfallsenken abgeschnitten, die Menschen müßten verhungern und ersticken. Mit anderen Worten: Die Ökosysteme in der überkuppelten Stadt könnten den ökologischen Druck der eingesperrten Bevölkerung nicht tragen. Dieses Gedankenmodell zeigt, wie groß die ökologische Verwundbarkeit des Menschen ist.

Eine weitere Überlegung ist geeignet, unseren Gedankengang zu konkretisieren: Nehmen wir an, daß unsere Stadt von Äckern, Weiden und Wäldern umgeben ist. Nehmen wir weiter an, daß genügend Vorräte an fossiler Energie vorhanden sind, so daß die Menschen in unserer Stadt den heutigen Lebensstil praktizieren und sie über unsere Technologie verfügen können.

Die Frage lautet nun: Wie groß müßte die Plexiglaskuppel sein, damit sich die Stadt dauerhaft aus den unter der Kuppel vorhandenen Ökosystemen und Energievorräten versorgen und ihren Abfall in dieser Umwelt entsorgen könnte? Mit anderen Worten: Wieviel Land und Wasserflächen sind notwendig, um die tägliche wirtschaftliche und soziale Aktivität der Bewohner und Bewohnerinnen der Stadt aufrechtzuerhalten? (Beachten Sie, daß in dieser Berechnung die biologisch produktiven Flächen fehlen, die nötig sind, um Tier- und Pflanzenarten zu erhalten.)

Die biologisch produktive Fläche, die die Stadt zu ihrer Versorgung braucht, entspricht ihrem ökologischen Fußabdruck auf der Erde.

Aus: "Unser ökologischer Fußabdruck" von Mathis Wackernagel / William Rees