• EINLEITUNG - LÄRM •
 
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LÄRM

Was ist Lärm? Rein physikalisch gesehen handelt es sich um durch Bewegung ausgelöste Schwingungen, die sich in der Luft oder in Körpern als Druckwellen fortsetzen und vom menschlichen Ohr aufgenommen werden können.

Sprache, Musik, mechanische Geräusche wie von Automobilen oder Maschinen, fließendes Wasser, das Rauschen des Regens - all dies wird vom menschlichen Ohr wahrgenommen. Dabei wird die Wahrnehmung individuell bewertet, zum Beispiel nach der Intensität, nach laut oder leise. Aber auch nach anderen Kriterien wie etwa der Tonhöhe. Schall kann alarmieren, reizen, beruhigen, nerven, Wohlbefinden auslösen, vor allem aber auch stören.
Wesentlich ist dabei die momentane Situation des Empfängers, denn wie sehr ein Geräusch stört, ist nur vom Einzelnen zu empfinden und zu bewerten. Ebenfalls von Belang sind die Umgebung, die jeweilige Tätigkeit sowie die Einstellung zur Lärmquelle, die soziale Akzeptanz:

Der wummernde Bass bei einem Open-Air-Rockkonzert löst beim Besucher wohliges
Kribbeln im Bauch aus, während der unfreiwillig mithörende Anwohner am liebsten davonlaufen möchte - Beethoven oder Mahler in vergleichbarer Lautstärke würden ihn aber überhaupt nicht stören.

Lärm spielender Kinder ist für Eltern kein Problem, um so mehr für ruhesuchende Unbeteiligte

Wer mit dem Auto ins Grüne fährt, stört sich nicht am Fahrgeräusch des eigenen Wagens, das aber gleichzeitig den Anwohnern an der Strecke die Ruhe raubt.

Der lauschige Abend im Biergarten, das Stimmengewirr, andauerndes Rufen und Lachen, ständiges Kommen und Gehen mit großem Hallo, eine muntere Musikkapelle - für den Besucher die Stimmung, die er gesucht hat, für Anwohner keineswegs immer ein Quell der Freude.

Jeder will frühmorgens frische Semmeln, die aktuelle Tageszeitung oder frisches Gemüse, dennoch werden die mit der Anlieferung verbundenen Geräusche als störend empfunden.

Unsere alltägliche Umgebung weist Schallpegel bis rund 80 Dezibel auf, erzeugt durch Verkehrslärm, Maschinen, Anlagen, Nachbarn und anderes mehr. Der mittlere Schallpegel in einer städtischen Wohnlage ist damit deutlich höher als in einer Naturlandschaft. Da wir diesem Umgebungslärm ständig ausgesetzt sind, nehmen wir ihn aber oft gar nicht mehr bewusst wahr. Dabei treten häufig unregelmäßige Schallspitzen auf, die unser Organismus als ‚Alarm' interpretiert und derentwegen er Kampf- oder Fluchtreaktionen vorbereitet. Gleichzeitig werden wirkliche Gefahrensignale durch den Umgebungslärm akustisch überdeckt, wodurch ein Gefühl der Unsicherheit ausgelöst werden kann.

Körper und Geist werden bei Lärm in Anspannung versetzt, was langfristig Folgen haben kann. Das Nervensystem wird in einen erhöhten Reizzustand versetzt, dies führt zur vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen und äußert sich physiologisch in einem Anstieg der Herzfrequenz, einer Verengung der Blutgefäße, der Erhöhung des Blutdruckes oder ähnlichem mehr.

Hält dieser Zustand längere Zeit an, wiederholt er sich gar häufig, so können die Stressreaktionen die Funktion verschiedener Organe stören und nachhaltig beeinträchtigen. Studien wiesen für Wohnlagen mit besonders viel Straßenverkehrslärm ein erhöhtes Herzinfarktrisiko nach. Weitere mögliche physiologische Auswirkungen sind Hörschäden, Schlafstörungen oder Störungen des zentralen und des vegetativen Nervensystems. Hinzu können psychologische Auswirkungen kommen, etwa die Beeinträchtigung der Kommunikation, Konzentrationsstörungen oder sehr individuelle Reaktionen wie Verärgerung und Unwohlsein.

Zwischen der Höhe des Schallpegels und dem Ausmaß der Auswirkungen konnte allerdings kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen werden. Allgemein lässt sich dennoch sagen, dass bei steigendem Schallpegel auch ausgeprägtere Auswirkungen zu beobachten sind.

Allerdings scheinen politischer Wille oder Handlungsdruck zu fehlen, die heute vorherrschenden Lärmquellen wie beispielsweise den Verkehr an den Wurzeln zu bekämpfen. Langfristig werden Strategien des aktiven Vermeidens notwendig werden, da die Maßnahmen des passiven Lärmschutzes wie Schallschutzfenster oder Lärmschutzwände nicht mehr ausreichen.