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HÄUSER
WACHSEN FORTWÄHREND
Die Fragen "Wo leben Sie?"
und "Wo wohnen Sie?", sind - wie schon gesagt - synonym.
Sie bleiben dies auch in der Übersetzung in andere, ja sogar
in nichtwestliche Sprachen. Diese ungewöhnliche Sinn-Konstanz
weist darauf hin, daß "leben" und "wohnen"
schon immer das jeweils andere mitgemeint haben; das eine legt den
Akzent auf den zeitlichen, das andere auf den räumlichen Aspekt
des Daseins.
Wohnen meint, in den vom eigenen
Leben hinterlassenen Spuren zu hausen, mit deren Hilfe man stets
das Leben der eigenen Vorfahren zurückverfolgt. In diesem strengen
Sinne kann "Wohnen" nicht wirklich von "leben"
unterschieden werden. Wohnende formen mit jedem Tag ihre Umgebung
von neuem. Menschen wohnen mit jedem Schritt und mit jeder ihrer
Bewegungen.
Die überkommenen Wohnplätze sind niemals abgeschlossen
im zeitlichen Sinne. Häuser wachsen fortwährend, und allein
Tempel und Paläste können "beendet" bzw. "fertiggestellt"
werden. Wohnen heißt insofern leben, als jeder Augenblick
die Eigenart des Raumes einer Gemeinschaft formt.
Aus: "H2O und die Wasser des Vergessens"
von Ivan Illich
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