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NIE
WERDE ICH ES VERGESSEN
Mit den Worten "Wir holen
Sie hier heraus" und dem Bild einer riesigen Mietshaus-Klingeltafel
warb kürzlich die größte deutsche Bausparkasse für
das Eigenheim. Und in der Tat steht das Eigenheim nach wie vor an
der Spitze der Wünsche aller Bundesbürger. Jahr um Jahr
hat den gekäfigten Mieter der Wunsch nach Wohneigentum, "Grün",
"Natur", geplagt.
Hat der Bausparer endlich sein
Mietgefängnis verlassen und das Ziel seiner Wünsche erreicht,
ist er also in oder auf dem ersehnten Stück "Natur"
angekommen, beginnt auf dem nun eigenen Grund und Boden ohne Verzug
und Gnade der nie endende Kampf mit Gerät und Gift gegen alles,
was irgendwie eben an "Natur" erinnern könnte. Die
Planierraupe als "Gerät und Gesinnung" (2) beseitigt
jede Eigenheit der Bodenoberfläche. Haselstrauch und Holunder,
Buschwindröschen, Schlüsselblumen oder Lungenkraut: sie
sind alle nichts - nur Hindernis und pflanzlicher Unrat für
Baufirma und Bauherren. Bodenflora und Bodenleben ersticken im Morastbrei
der schweren Baumaschinen.
Es erinnert an das Hissen der
Siegerflagge auf den Schlachtfeld, wenn endlich die ersehnte "Edel"-Konifere
implantiert ist. Am liebsten und zuerst die Blaufichte - versteht
sich. Endlich dann Rasen wie "Auslegware" mit der Wasserwaage
gerichtet. Der vorläufige Höhepunkt zu seiner Kosmetik
ist "Wurmex® - vernichtet zuverlässig die Regenwürmer
in Ihrem Rasen". Nie werde ich es vergessen, wie ein neugebacken-stolzer
Eigenheimer sich bei mir für ein einziges blühendes Gänseblümchen
in seinem Rasen entschuldigte, als sei es ein ekelhafter Teerfleck
auf seiner Hose. Schön = sauber, wohlgemerkt.
Aus: "Grün kaputt" hrsg. von Dieter Wieland / Peter
M. Bode / Rüdiger Disko
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