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NICHT
HALTBAR
Im Laufe meiner beruflichen
Tätigkeit versuchte ich zunächst, dem Geheimnis des Lichts
durch Laborversuche zur Quantenoptik auf die Spur zu kommen. In
Laserexperimenten, die ich an Instituten in Boulder, Amherst, Paris,
Hannover und München durchführte, habe ich untersucht,
wie das Licht mit Materie in Berührung kommt. Je tiefer ich
theoretisch und experimentell in die Quantentheorie des Lichts eindrang,
desto wunderbarer erschien mir sein Charakter.
Obwohl uns so hochentwickelte
Theorien zur Verfügung stehen, habe ich nicht den Eindruck,
daß unser Erkenntnisdrang in bezug auf das Wesen des Lichts
in absehbarer Zukunft befriedigt sein wird. Ganz im Gegenteil -
bisher hat das Licht von seinem Geheimnis noch nichts preisgegeben.
So hat die Quantentheorie auf
der verläßlichen Grundlage von Experimenten nachgewiesen,
daß die vereinfachenden, mechanistischen Konzepte der Lichttheorien
früherer wissenschaftlicher Denkrichtungen nicht haltbar sind.
Statt dessen hat sie eine neue Theorie des Lichts entworfen, um
deren Verständnis alle großen Physiker der Neuzeit, von
Albert Einstein bis Richard Feynman, gerungen haben - vergeblich,
wie sie schließlich selbst eingestanden.
Mich hat die Erkenntnis fasziniert,
daß die ganze Leistungs fähigkeit, Präzision und
Schönheit der Quantenoptik nicht ausreicht, um uns klarzumachen,
was Licht ist. Die alten wissenschaftlichen Lichtkonzepte sind wie
überlebte Götterbilder zerschlagen worden, und jeder Versuch,
neue zu zimmern, ist fehlgeschlagen. Durch unsere technische Beherrschung
des Lichts sind all die Türen wieder geöffnet worden,
die wissen schaftlicher Hochmut vorschnell zugeschlagen hat. Ich
konnte der Versuchung nicht widerstehen, die alten und neuen Flure
in dem weitläufigen Gebäude des Lichts zu erkunden. (...)
Aus: "Die gemeinsame Geschichte von Licht und Bewußtsein"
von Arthur Zajonc
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