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DIE
KLIMAANLAGE IST DAS SCHICKSAL
In weniger als einer Generation
werden die Mitglieder der Zweiten Ökumene an zahlreichen klimatisch
kritischen Punkten der Erde begriffen haben, daß das Atmen
zu wichtig ist, um es weiter im Freien zu tun.
Es wird bald eine triviale
Evidenz sein, was heute nur durch heterodox geschliffene Theoriebrillen
gesehen wird: Die explizite Klimapolitik ist das Fundament der neuen
Ökumene, so wie explizite Klimatechnik die Basis konkreter
Gemeinschaftsbildungen sein wird. Spätestens mit dem Chronischwerden
von irreversiblen oder nur mit Mühe kompensierbaren physischen
Klimaschäden (die psychischen sind länger verschweigbar)
wird sich allgemein erkennen lassen, daß Gesellschaften nur
als Fälle von angewandter Spharologie angemessen zu beschreiben
und zu steuern sind.
Die Klimaanlage ist das Schicksal.
An ihr bewahrheitet sich der Satz, daß das Wesen der Moderne
sich in der Aufgabe manifestiert, technisch präzisierte Immunsysteme
aus älteren, vagen holistischen Immunstrukturen auszugliedern.
Sobald Luftzufuhr aufhört, eine unproblematische Prämisse
von Lebensprozessen zu sein und ins technische Stadium übergeht,
ist auch für das älteste pneumatische und atmosphärische
Grundverhältnis menschlicher Existenz die Modernitätsschwelle
erreicht. Von da an werden Luftgemische und Atmosphären zu
Gegenständen expliziter Produktionen.
Mit dem, was man in den letzten
zweieinhalb Jahrhunderten Aufklärung genannt hat, ist es von
da an nicht mehr getan. Die helle Seite der Aufklärung wird
Atmotechnik. Die moderne Alltagsästhetik weist diesen Entwicklungen
wenn nicht die Richtung, so doch den Horizont.
Aus: "Sphären" von Peter Sloterdijk
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